Wem gehört eigentlich Osnabrück?
Du läufst durch die Stadt. Vielleicht stehst du gerade am Neumarkt im Abgaswind, wartest auf den Bus und schaust auf einen dieser riesigen, leeren Betonklötze, wo früher mal Leben war – oder zumindest Konsum. Du fragst dich: Warum steht das hier seit Jahren leer, während Freunde:innen von dir keine Wohnung finden, die sie nicht die Hälfte ihres Lohns kostet?
Die Antwort ist simpel und bitter zugleich: Weil die Stadt nicht uns gehört.
Sie gehört den Zahlen.
Sie gehört den Investoren, die mit unseren Vierteln pokern wie mit Monopoly-Karten. Die das Lokviertel planen, während in der Neustadt der Putz bröckelt. Sie gehört den großen Playern wie L&T, die bestimmen, wie die Innenstadt aussieht. Kleine freie Orte, die sich mehr für dich als dein Geld interessieren, müssen nacheinander dicht machen.
Sie gehört den Geistern der Vergangenheit.
Hast du dich mal gefragt, warum die Pagenstecher so heißt, wie sie heißt? Warum wir im Schlosspark zwischen Statuen spazieren gehen, die rassistische Klischees aus der Kolonialzeit feiern, als wäre nichts gewesen? Unsere Stadtgeschichte ist in Stein gemeißelt, aber sie erzählt oft nur die Story von denjenigen, die oben saßen – auf Kosten anderer.
Sie gehört den Kameras.
Überall wird geglotzt. Kameras am Bahnhof, Angsträume am Neumarkt, die mit Videotechnik statt mit Sozialarbeit gelöst werden sollen. Waffenverbotszonen, die vor allem eines tun: Menschen kontrollieren, die ohnehin schon am Rand stehen. Wenn du dich irgendwo hinsetzt, ohne direkt 5 Euro für einen Latte Macchiato zu zahlen, bist du für die Stadtplanung oft nur ein „Störfaktor“.
Aber was wäre, wenn?
Was wäre, wenn die Straße nicht den Autos gehört, sondern den Kindern, die dort spielen?
Was wäre, wenn wir entscheiden, wer geehrt wird, statt alte Sklavenhändler auf Straßenschildern zu dulden?
Was wäre, wenn Wohnen keine Ware wäre, sondern ein Grundrecht?
Was wäre, wenn die BürgerInnen entscheiden, anstatt Kapital?
Wir wollen diese Stadt nicht nur benutzen. Wir wollen sie leben. Wir wollen Graffiti an den Wänden, die uns was sagen, statt bunter Werbung, die uns nur was verkaufen will. Wir wollen Parks statt Parkplätze und echte Gemeinschaft statt durchgetakteter Konsummeilen.
Diese Kampagne ist eine Einladung.
Wir fangen gerade erst an, die Fragen zu stellen. In den nächsten Monaten werden wir genau hinschauen: Wer verdient an uns? Wer entscheidet darüber, wie wir leben? Wer wird verdrängt? Und wie holen wir uns das alles zurück?
Schön, dass du dem Link gefolgt bist. Bleib dran. (z.B. hier https://www.instagram.com/unordnungsamt_osnabrueck/) Die Stadt gehört denen, die in ihr leben.
Lass uns Osnabrück gemeinsam zurückerobern.

